Früher wollten Freiwillige der Gesellschaft etwas zurückgeben - heute wollen sie sich verwirklichen. Doch das Engagement wird schwieriger. Das geteilte Land: Einen hohen zeitlichen Einsatz leisten viele Menschen im Süden und Westen der Republik. (Quelle: Süddeutsche, SZ-Graphik: Hanna Eiden; Quelle: AMB Generali)
Von Bärbel Kruse hatten viele Menschen wohl nicht mehr viel erwartet. 25 Jahre hatte die behinderte Frau in einer geschlossenen psychiatrischen Einrichtung gelebt. Wieder draußen schloss sich die 60-Jährige dem Verein Mittenmang in Schleswig an und backte Kuchen im Café. Der Verein traute ihr noch mehr zu: Kruse begann, eine behinderte Frau mit schweren Gedächtnisstörungen zu betreuen; diese wollte nach einem Heimaufenthalt in eine eigene Wohnung ziehen. "Trotz ihrer Lebensgeschichte hat sich Bärbel Kruse ihr Interesse für andere Menschen bewahrt und ist wieder aufgeblüht", sagt Nicole Schmidt, Geschäftsführerin von Mittenmang.
Aktualisiert (Montag, den 14. Februar 2011 um 13:38 Uhr)
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Der Sozialstaat kann nicht alle Aufgaben schultern. Gebraucht werden Kooperationen mit freiwillig Engagierten. Wer arm oder krank ist, kann sich auf ehrenamtliche Kümmerer verlassen. Doch darf der Staat seine Verantwortung abgeben? (Quelle: Süddeutsche) Der Anblick von Warteschlangen gehört inzwischen zum Alltag. An mehr als 800 Orten in Deutschland stehen jeden Tag Menschen an, um sich von privaten Tafeln und Suppenküchen mit Essen versorgen zu lassen. Ein gutes Engagement. Einerseits. Hungerende werden satt, der Überfluss der Konsumgesellschaft wird verteilt. Andererseits: Sollte sich nicht lieber der Sozialstaat darum kümmern, die Quellen für Hunger und Armut zu beseitigen? Festigen die Suppenküchen gar die Not hierzulande?
"Es gibt eine zunehmende Tendenz des Staates, sich darauf zu verlassen, dass Aufgaben des Sozialstaats von privaten Initiativen geleistet werden", kritisierte Heribert Prantl, Ressortleiter Innenpolitik der Süddeutschen Zeitung, den schleichenden Rückzug der Behörden.
Aktualisiert (Montag, den 14. Februar 2011 um 13:30 Uhr)
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Unser Alltag bietet viel öfter Gelegenheit zur Zivilcourage, als wir vermuten würden. Eine Bestandsaufnahme. Die Vorgesetzte hat einen Popel an der Nase, der Kollege erscheint mit offener Hose zum Meeting - wer hat den Mumm, es anzusprechen? "Je mehr Bürger mit Zivilcourage ein Land hat, desto weniger Helden wird es einmal brauchen." Wer würde an dem Zitat der Journalistin Franca Magnani zweifeln. Dennoch fühlen wir uns von einem großen Begriff wie "Zivilcourage" oft nicht angesprochen, denken an Flüchtlingshilfe, blutige Proteste und Bürgerrechtler, sehen Bilder von Anfeindung, Gewalttätigkeit und Aggression. Wir erinnern uns an Mahatma Gandhi, der sich für seine Sache beinahe zu Tode hungerte, und Martin Luther King, der im Kampf gegen Rassendiskriminierung sein Leben gab. Helden, die weder Prügel noch Pranger fürchten. Nichts für uns also.
Dabei bietet unser direktes Umfeld im Alltag viel öfter Gelegenheit zur Courage, als wir vermuten würden. Und damit sind noch nicht einmal die Horrorszenarien gemeint, von denen wir immer wieder hören: Frauen, die verprügelt oder Ausländer, die in der S-Bahn angepöbelt werden; Kinder, die in Schwimmbädern ertrinken - das alles in Anwesenheit von Passanten oder Schaulustigen.
Aktualisiert (Montag, den 14. Februar 2011 um 13:35 Uhr)
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Mit 23 schmiss Lea Ackermann den Job in einer Bank, um sich für "Gottes vergessene Töchter" einzusetzen: Migrantinnen und Prostituierte. (Quelle Süddeutsche). Als sie 23 war, wechselte Lea Ackermann die Seiten. Gab den Job in einer Bank auf und widmete sich ganz dem Glauben. Noch heute schlägt das Herz der 72-jährigen Ordensschwester von der Gemeinschaft der Weißen Schwestern weniger für Zahlen als für Menschen. Und für Afrika. Als sie vor mehr als 20 Jahren in die kenianische Hafenstadt Mombasa entsandt wurde, sollte Ackermann nur in einer Fortbildung für Lehrer helfen. Doch die Prostitution und das Elend der Frauen in der Tourismushochburg ließen sie nicht los.
"Ich dachte mir, die Lehrer haben doch schon eine Ausbildung", sagt Ackermann. Aber die vielen Mädchen, die sich ohne Lebensperspektive prostituieren mussten, hätten sich keine Ausbildung leisten können. "Die brauchten Hilfe." In den Rotlichtvierteln von Mombasa begann Ackermann, sich ehrenamtlich für "Gottes vergessene Töchter" einzusetzen.
Aktualisiert (Montag, den 14. Februar 2011 um 13:28 Uhr)
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Fonds, Banken und Konzerne suchen nach neuen Investitionsmöglichkeiten und holen sich Land dort, wo sie es kriegen können - von Russland über den Sudan bis nach Australien. Dass man den Menschen ihr Land, ihr Wasser und ihre Nahrung wegnimmt, nehmen Investoren in Kauf. (Quelle: Süddeutsche) "Verkauft die Banken, kauft Käse", riet kurz vor Beginn der Finanzkrise der Chef eines Londoner Hedge-Fonds den internationalen Anlegern. Und das tun sie: Provinzregierungen ebenso wie die reichen Golfstaaten und das mächtige China. Investmentfonds tun es, und die Deutsche Bank auch. Sie alle sind beteiligt an einer neuen Art von globalem Geschäft, das fatal an den Kolonialismus des 19. Jahrhunderts erinnert. Kritiker nennen es "Landraub".
Die Vereinigten Arabischen Emirate haben sich beispielsweise 400.000 Hektar Land im Sudan gesichert, China lässt in den Bergen von Laos riesige Gummibaumplantagen anlegen; 80 indische Nahrungsmittelkonzerne haben 1,7 Milliarden Euro in äthiopische Farmen investiert. Meist sind es reiche oder mächtige Staaten und Privatinvestoren, die fruchtbares Ackerland pachten oder kaufen, das fast immer in armen oder totalitär geführten Ländern liegt.
Aktualisiert (Montag, den 14. Februar 2011 um 13:32 Uhr)
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Warum arbeiten und engagieren sich Menschen ohne Bezahlung? Für Soziologe Joachim Winkler ist es kein Zufall, dass beruflich hochleistungsorientierte Menschen sich auch nebenbei ehrenamtlich engagieren. Joachim Winkler, 57, sieht gute Chancen für das Ehrenamt. In der öffentlichen Diskussion sei dessen Stellenwert größer geworden. Jugendliche engagierten sich nach wie vor in ihrer Freizeit, betont der Soziologe. Winkler hat über das Ehrenamt promoviert, er ist Professor für Allgemeine Soziologie an der Fakultät für Wirtschaftswissenschaften an der Hochschule Wismar.
SZ: Was bringt Menschen dazu, ein Ehrenamt zu übernehmen?
Joachim Winkler: Die spontane Antwort vieler Ehrenamtlicher wird sein: weil es Spaß macht. Die zweite, weil sie gebeten oder überredet worden sind. Es gibt eine Vielzahl von Motiven: Man will gestalten, man will helfen, man will kommunizieren oder man will seinen gesellschaftlichen Pflichten nachkommen.
Aktualisiert (Montag, den 14. Februar 2011 um 13:26 Uhr)
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