Götzenkult oder Vielgötterei


Viele Missverständnisse entstanden über die Wirren der Zeit. In alter Zeit, vor 12.000 bis vor 7.000 Jahren gab es keinen Götzen-Kult, wie er später skurile Formen annahm. Es wurden weder Menschen- oder Tier-Opfer dargebracht, noch in religiösen Wahn Glaubenskriege geführt. Auch Räucherwerk waren keine Opfergaben, sondern der ätherische Rauch half lediglich eine Barriere zu den Anderswelten zu überwinden. Daß er auch angenehm von Totengeistern oder höheren Wesensformen durch seinen süßlichen Duft wahrgenommen wurde, er desinfizierend und gesundheitlich fördernd auf die Atemwege wirkt, all das waren nützliche und angenehme Beigaben, jedoch von untergeordneter Bedeutung.  Der Ming Tang war eine Ruhestätte um in völlige Harmonie mit dem Himmel und der Erde und natürlich allen in ihnen beherbergten Wesen zu gelangen.

Als die Allerersten noch die Menschen unterwiesen, verwehrten sie sich entschieden dagegen von den Menschen angebetet zu werden. Es waren höhere Wesen mit einem umfassenden Wissensstand, aber nie massten sie sich an, sich selbst als Götter zu bezeichnen. Im Gegenteil, gerade von Yu Shen (dem Jade-"Gott") und Shen Nung ("Gott" der Heilkräuter und des Tees) ist es bekannt, dass er äusserst aufgebracht darauf reagierte, wenn aus Respekt, Hingabe, Achtung und Ehrfurcht dann Anbetung wurden. Stetig wies er auf den einzig wahren Schöpfergott hin - Shang Ti (DER EINE).


Von Shui Xiang Shang Ti stammt beispielsweise auch der Ausspruch: "Wenn der Weise auf den Himmel zeigt, schaut der Dumme auf den Finger!" Zu Göttern wurden sie später erklärt, ebenso wie besonders tugendhafte Menschen dazu erklärt wurden (z.B. Buddha, Kuan Yin, Guan Gong, Liu Hei, Li Ti Kuei, usw.). Ähnlich wie auch in der Kirche besonders herausragende Personen postum zu Heiligen erklärt wurden und kurz darauf wurden sie angebeten und die Unfreiheit und selbst auferlegten Dogmen nahmen ihren Weg...

Nach ihrer Zeit jedoch gerieten ihre mahnenden Worte schnell in Vergessenheit. Menschen neigen stets dazu etwas "Handfestes" greifen zu können, das sie verehren können. Anbetung jedoch steht einzig dem höchsten Schöpfergott zu. Es sind erstaunliche Parallelen zu verschiedensten anderen Kulturen oder Religionen. Auch die Bibel berichtet nur von einem Schöpfergott. Die Allerersten verstanden sich stets als Weg-Weiser für die Menschen, die in ihrem Herzen nach wirklichen Antworten, nach dem Sinn, nach ihrem persönlichem Weg suchten.  Auch im Ming Tang stehen natürlich eine Vielzahl von Darstellungen höherer Wesensformen. Von Menschen wurden sie schlicht zu Göttern erklärt. Andere Darstellungen stellen lediglich Symbole dar, die für Tugenden stehen. Jedoch keine von ihnen erhebt den Anspruch einer Anbetung. Vielmehr zeugen sie von einem völlig anderem Wissen, als es den Menschen bekannt ist.

Stets betonten sie, dass es einzig auf das Herz der Menschen ankäme. Keine Werkgerechtigkeit, kein religiöser Frondienst oder Knechtschaft kann einem Menschen eine Erlösung bringen. Auch wenn Menschen nur allzugern dem "Münchhausen-Syndrom" anhängen und sich selbst am eigenem Schopf aus dem Sumpf ziehen möchten; gute Taten die nicht aus dem Herzen heraus erfolgen sind ohne Wert. Nur der Mensch selbst hat dies in der Hand, wie auch hier ein altes Sprichwort besagt: "Jeder ist selbst seines Glückes Schmied!" Dies aber bedeutet Verantwortung zu übernehmen, allem Leben und nicht nur den höheren Wesensformen in Ehrfurcht, Achtung und Liebe begegnen. Diese Eigenschaften führen in keine Knechtschaft. Sie befreien daraus.

Der Ming Tang soll dem Menschen helfen wieder zu sich selbst zu finden, seine Bestimmung, den Sinn seiner irdischen Existenz zu begreifen und mit seinem Schöpfer eins zu werden. Selbstherrlichkeit, Arroganz oder Egoismus verbauen diesen Weg. Wirkliche Liebe, Demut und tiefe Dankbarkeit jedoch können diese Barriere überwinden.