Linggam-Kult
In Indien gab es bereits vor der Entstehung des Hinduismus Monolithe in Phallusform als Kultobjekte. Was nicht sonderlich verwundert, da die Entstehung der Menschen göttlich war und die Vermehrung der Menschen zugleich die Verbreitung göttlichen Wesens bedeuten sollte. Die Hindus assimilierten diese Symbolik in ihre Glaubenskultur, wie das Christentum zahlreiche Legenden, Mythen und Symbole anderer Religionen in das Alte und das Neue Testament einfügte. Bis heute verehren die Hindus den Gott Schiva im steinernen Phallus, dem Linggam als Symbol seiner Schöpferkraft. Diese Verehrung des Schiva-Linggam ist bis in das 2. Jahrhundert v.Chr. zurückzuverfolgen. Über den gesamten Subkontinent Indien verteilt existieren 12 berühmte, "aus Licht geschaffene", also nicht von Menschenhand entstandene megalithische Liggams, die bis heute Wallfahrtszentren sind.
In den heiligen Schriften der Hindus, den Puranas wurde niedergeschrieben, dass der Linggam des Schiva zu dessen Symbol wurde. Als nämlich der göttliche Bhrigu entscheiden sollte, ob Brahma, Vischnu oder Schiva der grösste aller Götter sei und Schiva aufsuchte, war dieser gerade emsig mit seiner Gattin beschäftigt und liess den Gott Bhrigu einfach warten. Zu lange für diesen, denn er verfluchte daraufhin Schiva und veranlasste, dass dieser künftig als Linggam verehrt werden solle, der auf einer Yoni (Vulva) steht.
Jedenfalls werden die steinernden Symbole so dargestellt und mit Butter, Blumen und Wasser beopfert, um die Vereinigung Schivas mit seiner Gattin (Schakti), aus der die Welt entstand und immer wieder erhalten wird, zu verehren. Linggam und Yoni sind zudem stets Symbole für den Kosmos, wobei Yoni das Symbol des Gottes des Berges Meu ist und Linggam für die Weltachse steht, welche die drei Welten miteinander verbindet und sich in jedem Turm (Schikhara) hinduistischer Tempel widerspiegelt. Seine Basis jedenfalls ist viereckig und entspricht dem Zeichen der Erde, sein Schaft ist achteckig als Zeichen der acht Himmelsrichtungen der mittleren Sphäre und seine Spitze ist rund wie das Himmelsgewölbe. Schiva entspricht damit dem Herrn über Raum und Zeit.


